UNSER LAGER IST VOLL!

Die erschütternden Bilder von Flüchtlingen im Fernsehen gehen den Menschen zu Herzen. Das ist auch in der Ortenau so – und das ist gut so. Eine Welle der Hilfsbereitschaft setzte ein, um den Flüchtlingen zu helfen. So auch in Friesenheim. Wir, die Schublade 10 e.V., erhalten Bekleidung, Schuhe, Bettwaren und Geschirr in einem bislang unbekannten Ausmaß. In vielen Gesprächen machen wir den Spendern klar, dass die Situation der in Friesenheim untergebrachten Asylsuchenden nicht identisch ist mit der teilweise unmenschlichen Situation der Menschen an der Grenze von Ungarn, in Griechenland oder in anderen Notunterkünften.

Das Netzwerk Solidarität e.V., das sich in Friesenheim aus Ehrenamtlichen gegründet hat, um die Flüchtlinge vor Ort zu betreuen und zu unterstützen, hat von Anfang darum gebeten, dass Sachspenden nur nach konkreten Aufrufen erfolgen sollen. Auch das zuständige Sozialarbeiterteam vertritt diese Auffassung und rät zum Zuwarten bis die tatsächlichen Bedürfnisse der Bewohner der Flüchtlingsunterkunft bekannt sind. Leider kommt diese Botschaft nicht an. In Folge der starken Zunahme der Flüchtlingszahlen und aufgrund teilweise unüberlegter Spendenaufrufe kam es im Gegenteil sogar zu vermehrten privaten Spenden.

Nun ist unsere Lagerkapazität nach den ersten Öffnungstagen im September vollkommen ausgeschöpft. Viele Kartons und Kleidersäcke lagern bereits im Verkaufsraum. Um einen reibungs- und gefahrlosen Ablauf im Ladenbetrieb aufrechterhalten zu können, haben wir uns für einen kompletten Annahmestopp für Sachspenden entschieden. Wir gehen davon aus, dass wir ca. 14 Tage benötigen, um die bereits angelieferten Spenden aufzuarbeiten. Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Wir wissen die große Spendenbereitschaft der Bevölkerung zu schätzen und wollen niemanden abweisen, der uns durch Sachspenden in unserer Arbeit unterstützen will. Die momentane Menge an Hilfsgütern ist für uns als Ladenteam allerdings nicht zu bewältigen.

Wir danken für Ihr Verständnis, Ihre Geduld und momentane Zurückhaltung.  

 

DIE FERIEN SIND RUM

Am Freitag, den 4. September war unser erster Öffnungstag nach den Betriebsferien. Wir haben auf diesen Tag hingearbeitet und uns sehr darauf gefreut. Da wir jedes Jahr im August geschlossen haben, glaubten wir zu wissen, was uns erwartet. Obwohl wir personell gut aufgestellt waren, hat uns die Welle der Sachspenden doch an den Rand der Belastbarkeit und der Lagerkapazität gebracht. Es kamen so viele Menschen an diesem  Tag  und auch an den Öffnungstagen danach – das war einfach unglaublich und wunderbar. Das hat uns einerseits ganz schön ins Schwitzen gebracht, aber allen auch ganz viel Auftrieb und Motivation gegeben.
Schön waren die vielen  Komplimente wie „endlich seid ihr wieder da“, „wir haben euch vermisst“ oder „schön habt ihr alles her gerichtet“. Das originellsteKompliment war ein Dialog zwischen Kundinnen: „Ich habe hier wieder so viel gefunden, was ich eigentlich gar nicht kaufen wollte“ „Ja, das ist wie bei IKEA“ „Nein,“ – „ das ist viel besser als bei IKEA!!!!!“ Das tut gut und es bewährt sich immer wieder, dass Geben seliger ist als Nehmen.
Das Team gibt und es bekommt ganz viel zurück. Herzlichen Dank dafür. Es war auch eine große Freude, dass wir sehr viel ab verkauft haben an diesen ersten Tagen nach den Ferien. Dies gilt sowohl für den Bereich „Sonderverkauf Haushaltswaren“ als auch für den Bereich „Konfektion“, in den wir während der Betriebsferien viel Zeit für den Saisonwechsel investiert haben.

Viele unserer Spender wollen angesichts der erschütternden Bilder im Fernsehen von Menschen auf der Flucht helfen. Sie bringen uns Kleidung, Schuhe, Bettwäsche und Geschirr für die Flüchtlinge. Es ist eine Gratwanderung, diesen Spendern zu erklären, dass sie den Flüchtlingen in Ungarn, Griechenland, in München und den vielen inländischen Notunterkünften damit nicht helfen können. Die Flüchtlinge, die aktuell in unserer Region leben, sind zum Teil schon seit Anfang des Jahres hier. Diese Menschen haben keinen Hunger, sie haben Kleidung und sie haben ein Dach über dem Kopf.

Für Friesenheim gesprochen gibt es zudem auch gar keine Lagermöglichkeit für Sachspenden in der Flüchtlingsunterkunft im N40 auf dem Lahrer Flugplatzgelände. Das zuständige Sozialarbeiterteam erklärt immer wieder, dass es keinen Sinn macht, Sachspenden vor Ort abzugeben. Solche Aktionen haben in der Vergangenheit immer wieder zu tumultartigen Unruhen geführt und Hass, Neid und Aggressionen unter den Bewohnern ausgelöst.
Die Sozialarbeiter bitten immer wieder darum, Spendenaufrufe abzuwarten und gezielt und bedarfsgerecht zu spenden. Wir erleben im Zusammenhang mit der Erläuterung unseres Konzepts – hochwertige Spenden in den Verkauf, alle anderen Spenden für Hilfstransporte nach Rumänien, Bulgarien, die Ukraine etc. – auch immer wieder Kritik. Wir sollen uns um die Not im Land kümmern und keine Spenden ins Ausland schicken. Wir erklären diesen Kritikern, dass unsere Hilfstransporte in die Balkanländer und in die Ukraine „Hilfe zur Selbsthilfe“ sind und damit ein Beitrag, dass Menschen aus diesen Ländern eine Zukunft in ihrem Heimatland sehen und sich nicht auf die Reise ins vermeintliche Schlaraffenland „Europa“ machen. Wir verweisen dabei auch auf unsere Kooperationspartner, die sich für den Aufbau einer Infrastruktur und Handel und Gewerbe einsetzen. Menschen in Not sollen in den Ländern, die von unseren Hilfsgütern und der Hilfe zur Selbsthilfe profitieren, eine Perspektive im eigenen Land sehen, beim Neuanfang unterstützt werden.